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Spiegelreflexkamera Gretchenfrage

 

So fing es an

Als ich mir damals ernsthaft diese Frage stellte, war ich 20 Jahre jung. Diese Angelegenheit becshäftigte mich zwei Wochen vor Beginn meiner FSG Ära. Ich haute meine Eltern an und beschwichtigte, dass ich dringend eine Spiegelreflexkamera für mein Studium bräuchte. Mein einziger Aufhänger waren lediglich schöne neue Profilbilderselfies mit verwischtem Hintergrund von mir zu schießen oder meinen Freunden zu schreiben: „Hast du Lust, morgen am See schöne Fotos mit mir zu machen?“. Und ich würde die Kamera haben und die Speicherkarte und müsste nicht 2 Wochen warten, bis man mir die dämlichen Bilder endlich rüberwachsen lässt. Ich würde am längeren Hebel sitzen und ungeduldige Nachrichten bekommen. Hah. Dachte ich. Wäre das schön.

Knöpfe sind super

So kam’s dann auch. Kaum ne Woche später fand ich mich mit meinen Eltern im Saturn wieder und lies meine gierigen Finger über jedes Modell streichen. Töricht nahm ich einige in die Hand und drückte willkürlich Knöpfe in der Hoffnung… keine Ahnung, welche Hoffnung, ich drück einfach nur gerne beliebig irgendwo rum.

Verkäufer*innen verkaufen gern teure Geräte

Baldig kam dann ein Saturnmitarbeiter und fragte, ob er helfen könne. Ich sagte ja und teilte mit, dass ich eine gute, möglichst günstige Spiegelreflexkamera bräuchte, da ich ja demnächst „professionell“ damit arbeiten würde. Er führte mich im Kreis und schließlich zum Canonbreich. Dort erklärte er mir ein Modell, das dezent über’m Budget lag. Aber sie hatte Touch! Wie fortschrittlich, dachte ich. Touch! Da konnte man auf dem Bildschirm rumdrücken, wie geil ist das denn. Er erklärte noch ein paar andere, aber ich hatte mich verliebt und hörte nicht mehr zu. Lieber wollte ich den Rest des Tages meine Fingerkuppen auf diesen kleinen Bildschirm drücken.

Lass dich nicht lumpen!

Lange Rede, kurzer Sinn, wir haben sie gekauft, dann hat er uns noch ne saftige Versicherung aufgedrückt, was ich im Nachhinein nicht empfehlen kann. Das Ding ist mir noch nie runtergefallen, wie soll es auch. Es hat ein Band zum um den Hals legen, da kann nichts passieren. Da waren 250 Euro in die Luft geschossen. Also lerne aus meinem Fehler und sei bitte nicht so und schaff dir für jeden Kram ne Versicherung an. Das ist in 90% der Fälle Geldverschwendung. Ich weiß, du hast da dein Sicherheitsbedürfnis und das ist ja echt ein tolles Angebot und bestimmt völlig uneigennützig von der Marktkette. Ich hab meine Kamera jetzt schon zwei Jahre (das ist fast so lange wie die Versicherung hält) und die ist mir nicht ein einziges Mal auf den Boden, ins Klo oder sonst wohin gefallen. Also lass dich nicht lumpen!

Funktionen sind wichtig

Schließlich zu Hause angekommen fotografierte ich alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen war. Mama mit Augenringen und Speckrollen auf der Couch. Papa mit dem Finger im Ohr auf der Treppe. Alles hab ich abgelichtet, ganz klassisch im Automatikmodus. Ich empfehle dir, dich so bald wie möglich mit den Funktionen deiner Kamera auseinanderzusetzen. Schau dir Tutorials an oder lies dir Beschreibungen durch. Lass das mit dem Automatikmodus sein. Es macht viel mehr Spaß manuell zu fotografieren und bewusst Knöpfe zu drücken. Es entstehen viel bessere Bilder und du hast die Möglichkeit mit dem Licht zu spielen. Auf den Gedanken bin ich leider erst 1,5  Jahre später gekommen.

Ich komme zu folgendem Schluss

Lass dich auch niemals von Touch beeindrucken. Der stellte sich im Laufe der Zeit als Nervkram heraus. Ich benutze den sehr, sehr selten und sehr, sehr häufig mache ich ungewollte Bilder mit meinem Bauch, weil der Bildschirm immer direkt dagegen baumelt, wenn ich das Band der Kamera um meinen Hals trage. Das haut nur den Speicher voll. Ich weiß, man kann den ausschalten. Mysteriöserweise kann mein Bauch den aber anmachen. Wenn die Kamera, über die du nachdenkst, also technisch super gut ist und das einzige Manko die fehlende Touchfunktion ist, dann vergiss die Touchfunktion.